Praxis für Medizinische Genetik

Dr. Susanne Ebner

Frauenärztin - 

Medizinische Genetik

Dr. Susanne Markus

Fachärztin für Humangenetik

 

Bahnhofstraße 13

(VICTORIA-Haus)

93047 Regensburg

Tel: 0941-53710

Fax: 0941-53708

    

© Dr. Ebner & Dr. Markus

Hereditäre Pankreatitis (HP)

In industrialisierten Ländern wird eine chronische Pankreatitis in 70-80% der Fälle durch langfristigen Alkoholmissbrauch ausgelöst. 10-30% der Fälle werden als „idiopatisch“ klassifiziert, darunter auch die der Patienten mit hereditärer Pankreatitis. Die Inzidenz der chronischen Pankreatitis wird in industrialisierten Ländern auf 3,5 bis 10 pro 100 000 Einwohner geschätzt.

Bei der hereditären Pankreatitis können die Symptome bereits in der Kindheit beginnen. Das Risiko der Entwicklung eines Pankreaskarzinoms ab dem 50. Lebensjahr ist sehr hoch.

Klinisch wird die Erkrankung charakterisiert durch wiederkehrende oder persistierende Abdominalschmerzen, obwohl auch schmerzfreie Patienten beobachtet werden. Morphologisch zeigt der Pankreas eine unregelmäßige Sklerose mit fokaler, segmentaler oder diffuser Zerstörung des Parenchyms.

Die Pathogenese ist unklar. Wahrscheinlich führt eine erhöhte intrapankreatische Trypsinaktivität zur Pankreatitis.

Die hereditäre Pankreatitis wird üblicherweise als autosomal dominante Erkrankung mit 80%-iger Penetranz definiert.

Bisher konnten 3 für die Erkrankung verantwortliche Gene identifiziert werden:

Einige Patienten tragen heterozygote Mutationen im kationischen Trypsinogen (PRSS1)-Gen auf Chromosom 7. Das Trypsinogen-Protein ist die inaktive Vorstufe des Trypsins.

Bei dem zweiten Gen handelt es sich um das Serin-Protease-Inhibitor, Kazal Typ 1 (SPINK1)-Gen oder pankreatisch-sekretorisches Trypsin-Inhibitor (PSTI)-Gen auf Chromosom 5. Das Genprodukt ist eine potente Antiprotease, wahrscheinlich ein wichtiger Inaktivierungsfaktor der intrapankreatischen Trypsin-Aktivität. Die N34S-Mutation des SPINK1-Gens konnte in 15 – 40% der Fälle in homo- oder heterozygoter Form nachgewiesen werden, wobei die Patienten keine phänotypischen Differenzen zeigten. Weitere Mutationen sind in einzelnen Familien oder Individuen beschrieben.

Des weiteren wurde bei 25 - 30% der Patienten mindestens eine Mutation im CFTR-Gen (für Cystische Fibrose) gefunden, einige Patienten waren heterozygot für eine CFTR- und eine SPINK1- oder PRSS1-Mutation (digenische Vererbung).

Eine molekulargenetische Untersuchung der hereditären Pankreatitis ist indiziert bei Kindern oder Jugendlichen mit Symptomen einer chronischer Pankreatitis, positiver Familienanamnese (mehr als ein Familienmitglied oder mehr als eine Generation ist betroffen), bei Auftreten eines Pankreaskarzinoms vor dem 45. Lebensjahr sowie beim Vorliegen einer chronischen Pankreatitis vor dem 35. Lebensjahr ohne familiäre Belastung, auch bei rezidivierenden und ungeklärten Abdominalschmerzen im Kindesalter, eventuell einhergehend mit erhöhter Serumkonzentration von Amylasen und Lipasen.

Untersuchungsmethode:

Aus einer Blutprobe (ca. 2 ml EDTA-Blut) wird die genomische DNA isoliert. Zunächst wird mittels PCR-Reaktion und anschließender Sequenz-Analyse das Vorliegen der häufigsten Mutationen des PRSS1-Gens: R122H (Exon 3), N29I (Exon 2), A16V (Exon 1) und des SPINK1-Gens: N34S (Exon 2) untersucht. Im negativen Fall wird das gesamte PRSS1-Gen und das gesamte SPINK1-Gen sequenziert.

Ist das Ergebnis wiederum negativ, wird eine Untersuchung der 32 in der kaukasischen Bevölkerung häufigsten Mutationen des CFTR-Gens empfohlen (nach Rücksprache).

Untersuchungsdauer:

ca. 3-4 Wochen