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Morbus Meulengracht (Gilbert-Syndrom)

UGT1A1-Gen (Uridindiphosphat-Glucuronosyltransferase 1A1-Gen;Genort: 2q37; 
OMIM 143500, 191740)
Erbgang:    Autosomal rezessiv

    

Morbus Meulengracht oder Gilbert-Syndrom ist eine benigne Stoffwechselstörung, die häufig in Stress-Situationen, bei verminderter Nahrungsaufnahme oder in Verbindung mit Nikotin und Alkohol zu einer Hyperbilirubinämie führt (3-5fach erhöhter Bilirubinspiegel (unkonjugiertes Bilirubin) im Blut). Eine Therapie ist nicht erforderlich, jedoch sind Fasten, Stress, Nikotin und Alkohol zu vermeiden. 
Molekulargenetisch kann bei dem Gilbert Syndrom in beiden Allelen des UGT1A1-Gens eine Dinukleotid-Verlängerung im Promotor nachgewiesen werden [A(TA)6TAA → A(TA)7TAA]. Dies führt zu einer erniedrigten UDP-Glucuronosyltransferase (UDP-GT1-A1) Aktivität und damit zu einer verminderten Konjugation von Bilirubin an Glucuronsäure, wodurch der Serumspiegel des indirekten Bilirubins ansteigt.
Aufgrund eines gestörten Stoffwechsels von einigen Medikamenten sollte jede Medikamenteneinnahme mit einem Arzt besprochen werden. Beispielsweise ist die UDP-Glucuronosyltransferase entscheidend an dem körpereigenen Abbau des Chemotherapeutikums Irinotecan (CPT-11) beteiligt. Patienten mit Morbus Meulengracht haben nach Angaben in der Literatur ein hohes Risiko, bei einer Behandlung mit CPT-11 starke Nebenwirkungen zu erleiden. Bei cystischer Fibrose erhöht der UGT1A1 Promotor-Polymorphismus die Wahrscheinlichkeit für Gallensteine.

 

Untersuchungsmethode:

Aus einer Blutprobe (ca. 2 ml EDTA-Blut) wird die genomische DNA isoliert. Der A(TA)7TAA Promotor- Polymorphismus des UGT1A1-Gens wird mittels real-time Polymerasekettenreaktion (PCR) und Schmelzkurvenanalyse unter Verwendung der fluorescence resonance energy transfer (FRET) Technik nachgewiesen. Bei unklaren Befunden wird die Veränderung im Promotor durch Sequenzanalyse näher untersucht.

Untersuchungsdauer:

ca. 1-2 Wochen

Literaturhinweise
Rouits et al., Clin Canc Res 10: 5151-5159, 2004
Borlak et al., Hepatology 32:792-795, 2000
Burchell and Hume, Gastroenterol Hepatol 14:960-966, 1999