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 Thalassämie (beta) und Sichelzellanämie

HBA-Gen (Hämoglobin alpha, Alpha-Globin;
Genort: 16p13.3; OMIM +141800, *141850)
Erbgang:
   Autosomal-rezessiv

Die β-Thalassämie beruht auf Gendefekten im β-Globin-Gen (HBB) auf Chromosom 11, die zu einer verminderten oder fehlenden β-Globin-Synthese führen. 

Heterozgote Mutationsträger mit einer „Thalassaemia minor“ weisen mit einer leichten Blutarmut und teilweise leicht vergrößerten Milz in der Regel keine therapiebedürftige Symptomatik auf.

Homozygote Mutationsträger haben die schwere Form der „Thalassaemia major“ (= Cooley-Anämie), die bereits im ersten Lebensjahr zu Gedeihstörung, Blässe, Ikterus und Hepatosplenomegalie führt. Diese Patienten sind lebenslang transfusionsbedürftig. Eine Knochenmarktransplantation ist die einzige kurative Behandlung. 

Eine Zwischenform stellt die „Thalassaemia intermedia“ dar mit einem relativ variablem Spektrum bezüglich Zeitpunkt des Auftretens der ersten Symptome und phänotypischem Spektrum. 
Neben homozygoten oder gemischt heterozygoten Mutationen im β-Globin-Gen (hierbei liegt vor allem in Asien häufig ein Aminosäureaustausch Glutaminsäure durch Lysin an Position 26 der β-Globinkette = HbE vor), wird auch die Kombination einer heterozygoten Mutation im β-Globin mit einer weiteren Veränderung in einem anderen Globin-Gen (z. B. einer alpha-Globin- Genduplikation) beobachtet. Bei der Thalassaemia intermedia sind auch autosomal dominant vererbbare Formen bekannt.

Die Sichelzellenanämie wird hauptsächlich in der  schwarzafrikanischen Bevölkerung beobachtet. Sie wird durch einen Austausch der Aminosäure Glutaminsäure durch Valin an Position 6 des HBB-Proteins verursacht (Sichelzellenhämoglobin, HbS). Das homozygote Vorliegen des HbS-Allels führt zu einer Multisystem-Erkrankung, die Episoden akuter Krankheit und progressiven Organ-Schaden vereinigt. Hämoglobin-Polymerisierung, die zu Erythrozytenrigidität und Gefäßverschlüssen führt, ist wesentlich bezüglich der Pathophysiologie der Krankheit. Auch chronische Anämie, Hämolyse und Vasculopathien werden beschrieben. In Malariagebieten sind bis zu 40 % der Einwohner heterozygote Merkmalsträger, da  HbS die intraerythrozytäre Vermehrung von Malariaplasmodien hemmt und daher einen Schutz gegen Malaria darstellt. 

Untersuchungsmethode:

Aus einer Blutprobe wird die genomische DNA isoliert. Die drei kodierenden Exons inklusive Exon / Introngrenzen des ß-Globin Gen werden mit PCR amplifiziert und durch Sequenzierung auf das Vorliegen von Mutationen untersucht. 

Untersuchungsdauer:

 ca. 1-2 Wochen

Literaturhinweise 

Galanello, in: GeneReviews (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK1435/) Muncie and Campbell, Am Fam Physician 80:339-344, 2009
Chui et al., Blood 101:791-800, 2003
Chui and Waye, Blood 91:2213-2222, 1998