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Eines
von 1000 Kindern wird mit einem schwerwiegenden kongenitalen Gehörverlust
geboren, etwa die Hälfte der Ursachen sind genetischen Ursprungs. Die
autosomal rezessive, nicht syndromische, neurosensorische Taubheit ist die
häufigste Form von vererbter Taubheit im Kindesalter. Die Erkrankung
zeigt eine weitreichende genetische Heterogenität (ca. 30 Loci) und nur
beschränkte klinische Differenzierungsmöglichkeiten.
In
dem Lokus DFNB1 (deafness neurosensory, autosomal recessive 1) auf
Chromosom 13 konnten bislang zwei Gene GJB2 (gap junction beta-2) und GJB6
identifiziert werden. Mutationen in dem GJB2-Gen können bei mehr als 50%
der Patienten mit autosomal rezessiver, nicht syndromischer,
neurosensorischer Taubheit nachgewiesen werden. GJB2 kodiert für ein
Protein (Connexin 26, CX26) aus der Connexin-Familie. Hierbei handelt es
sich um spezialisierte Strukturen auf Plasmamembranen benachbarter
adherenter Zellen, sog. ’gap junctions’. Diese Strukturen bilden ein
Netzwerk und ermöglichen eine Interaktion und Kommunikation von Zellen im
Zellverband, so auch in Fibrozyten im Innenohr von Säugern.
Die
GJB2-Mutationsträger zeigen normale Intelligenz und Phänotyp und keine
externen Ohrabnormalitäten. Die Schwere des Gehörschadens ist sehr
variabel und kann selbst innerhalb einer Familie nicht vorhergesagt
werden. Charakteristisch ist der Gehörverlust im Hochfrequenzbereich
(4000 bis 8000 Hz).
Die
häufigste, in verschiedenen Bevölkerungsgruppen (u. a. Kaukasiern)
vorkommende Mutation (ca. 70% der Allele) des CX26 betrifft die Deletion
der Base G (Guanin) in Position 35 in einer Abfolge von 6 Guaninen
(35delG). Weitere Mutationen in der gesamten kodierenden Sequenz des
GJB2-Gens sind beschrieben, die in homozygoter oder zusammengesetzt
heterozygoter Form erscheinen. Bei 10 - 40% der Patienten kann nur eine
heterozygote Mutation in CX26 nachgewiesen werden. Neueren Erkenntnissen
zufolge wurde bei einigen dieser CX26-Heterozygoten zusätzlich eine
heterozygote 342 kb große Deletion „del(GJB6-D13S1830)“ im
benachbarten GJB6-Gen (Connexin 30) gefunden. Diese Form der digenischen
Vererbung scheint populationsäbhängig zu sein, so betrifft sie 50% der
spanischen und ca. 10% der Patienten aus anderen europäischen Ländern.
Auch wenige homozygote Deletionsträger sind beschrieben |