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Adrenogenitales Syndrom (AGS, 21-Hydroylase-Defizienz)

CYP21-Gen (21-Hydroxylase-Gen; Genort: 6p21.3; OMIM 201910)
Erbgang Autosomal-rezessiv

     Das Krankheitsbild des Adrenogenitalen Syndroms (AGS) wird in etwa 90% aller Fälle durch Mutationen in dem CYP-21-Gen verursacht, die zu einem Verlust der 21-Hydroxylase-Enzymaktivität führen. Als katalytisches En-
zym wird 21-Hydroxylase in der Cortisol-Biosynthese benötigt. In seltenen Fällen werden auch Mutationen in anderen Genen z. B. 11-Hydroxylase, StAR-Gen oder 3β-Hydroxysteroiddehydrogenase nachgewiesen. Die AGS-Symptomatik wird durch einen Mangel an Cortisol und Aldosteron und durch die vermehrte Synthese von Androgen ausgelöst. 
Bei dem AGS werden zwei Verlaufsformen unterschieden: das klassische AGS mit und ohne Salzverlust und die mildere Form des „late onset“ AGS.
Bei dem klassischen AGS führt ein Androgenüberschuss bereits pränatal bei weiblichen Feten zu einer Virilisierung der äußeren Genitalien. Dies kann durch frühzeitige Gabe von Dexamethason zu Beginn der Schwan-
gerschaft verhindert werden, wenn bereits vor einer Schwangerschaft bekannt ist, dass beide Eltern Anlagenträger sind. Zeigt die Pränataldiagnostik, dass es sich um einen männlichen Feten oder einen gesunden weiblichen Feten handelt, kann die Dexamethason-Behandlung beendet werden. Postnatal kann es in den ersten Lebenswochen zu einem lebensbedrohlichen Salzverlust kommen, bei dem im Blut ein Überschuss an Kalium 
und eine Übersäuerung nachweisbar ist. Eine Hormonkonzentrationsbestimmung im Blut zeigt in diesen Fällen wenige Tage nach Geburt stark erhöhte Werte für 17-Hydroxy-Progesteron. Ohne Behandlung kommt es 
in den ersten Lebensjahren zu einem verstärkten Größenwachstum. Die Körpergröße im Erwachsenenalter liegt jedoch durch einen vorzeitigen Verschluss der Epiphysenfugen unterhalb der Norm. Sowohl männliche als auch weibliche Patienten zeigen bereits im Kindesalter eine scheinbar vorzeitige Pubertätsentwicklung (Pseudopubertas pracox) und haben eine reduzierte Fertilität. Bei rechtzeitiger Diagnosestellung ist die Symptomatik eines AGS jedoch durch eine lebenslange Hormon-Substitutionstherapie 
gut behandelbar. 
Die „late onset“ Form eines AGS zeichnet sich durch einen wesentlich milderen Verlauf aus und wird häufig erst im Erwachsenenalter durch Fertilitätsstörungen wahrgenommen. Bei etwa 30% Patientinnen mit late onset AGS lässt sich eine Cyp21-Genmutation in nur einem Allel (heterozygot) nachweisen. Welche zusätzlichen Faktoren hierbei eine Rolle spielen ist derzeit nicht bekannt.

Untersuchungsmethode:

Aus einer Blutprobe (ca. 2 ml EDTA-Blut) wird die genomische DNA isoliert. Aus einer Blutprobe wird die genomische DNA isoliert. Es erfolgt eine Mutationssuche durch vollständige Sequenzierung der kodierenden Bereiche (10 Exons) des CYP21-Gens inklusive der Promotorregion und aller Exon/Intron Grenzen und eine Untersuchung auf  Deletionen mittels MLPA (Multiplex Ligation-dependent Probe Amplification).

Untersuchungsdauer:

 Ca. 4-6 Wochen, bei bekannten Mutationen in der Familie 1-2 Wochen 

Literaturhinweise

Nimkarn and New, in GeneReviews (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK1171/)
Höppner, Med Genet 16:292-298, 2004 
Forest et al., Endocr Res 15:277-301, 1989